„KEINE GESCHENKE, KEINE GEHEIMNISSE, KEINE SEXISTISCHE SPRACHE“

Peter Ott, 52, ist stellvertretender Vorsitzender des JFC Gera. 2015 begann der JFC unter Otts Leitung, ein strukturiertes Kinderschutzprojekt aufzubauen. Der Landessportbund Thüringen und der Thüringer Fußball-Verband zeichneten den Verein für seinen Kinderschutz aus.


Herr Ott, für viele Fußballvorstände ist der Verantwortungsbereich Kinderschutz ein Buch mit sieben Siegeln. Wie entstand beim JFC Gera die Idee und wie sahen die ersten Schritte aus?
Wir sind ganz bewusst ein reiner Jugendverein und bestehen eigentlich nur aus Nachwuchsmannschaften. Um unsere Jugendlichen, die in den Erwachsenenbereich wechseln, aufzufangen, haben wir mit einem anderen Geraer Verein eine Spielgemeinschaft gebildet. Beim Nachwuchs gelingt es uns, fast alle Jahrgänge mindestens doppelt zu besetzen. Vor vier Jahren stellte ich die Idee, den Fokus im Verein auch auf den Kinderschutz zu legen, dem Vorstand vor. Gehört hatte ich davon in meiner Funktion als Jugendobmann des Thüringer Fußball-Verbandes. Als ersten Schritt haben wir ein Präventionskonzept sowie einen Handlungsleitfaden erstellt. Hier haben wir uns bewusst Zeit gelassen, so etwas macht man nicht in einem Monat. Denise Reimann und Tanja Babik sind unsere Ansprechpartnerinnen im Verein, an sie können sich die Kinder wenden. Wir meinen schon, dass hier eine Frau besser passt. Beide Ansprechpersonen sind auch beruflich pädagogisch geschult.

Kinderschutz war lange ein Tabuthema. Es wurde lieber nichts gemacht, auch aus Sorge, als Verein selbst unter Verdacht zu geraten. So nach dem Motto: „Die machen was, dafür muss es einen Grund geben.“ Ist Ihnen ein solches Denken begegnet?
Eher weniger. Wir sind in der glücklichen Lage, dass sehr aufgeschlossene Übungsleiter im Verein tätig sind. Für alle Trainer und Trainerinnen fordern wir ein erweitertes Führungszeugnis. Wichtig für so ein sensibles Thema ist der gute Start. Ich denke, wir haben das gut eingeleitet, mit einer Auftaktveranstaltung im Verein, auf der wir erst mal alles erklärt haben. Wir haben einen sehr konkreten, sehr detaillierten Verhaltensleitfaden für Trainer, Übungsleiter und Funktionäre entwickelt. Beim JFC Gera haben wir einen Kinderbeirat, auch diese Gruppe war an der Entwicklung der Verhaltensregeln beteiligt. Die Hauptpunkte sind: kein Einzeltraining, kein gemeinsames Duschen, keine Übernachtung mit Spielern, keine verbotenen körperlichen Kontakte, keine privaten Einladungen, keine Geschenke, keine Geheimnisse mit den Spielern sowie absoluter Verzicht auf sexistische oder gewalttätige Äußerungen in der Umgangssprache.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Tatsächlich nur gute.

Führt das Thema zumindest anfangs nicht aber doch auch zu Verunsicherungen bei den Trainerinnen und Trainern?
Wenn so ein Bambini mal weint, nach einem Foul vielleicht, dann darf der Trainer oder die Trainerin den auch mal in den Arm nehmen. Aber eben in der Öffentlichkeit, nicht irgendwo versteckt hinter der Halle.

Wie arbeitsintensiv ist dieses Thema Kinderschutz?
Es ist viel Arbeit, gerade weil es so ein sensibles Thema ist und wir uns als Verein immer weiterentwickeln wollen.

Was raten Sie einem Verein, der sich dem Thema Kinderschutz widmen will?
Viele Vereine scheuen sich, weil sie erst nicht verstehen, wie sie sich hier professionell aufstellen könnten. Aber jeder interessierte Verein darf bei uns anrufen und Ratschläge einholen. Erst mal sollte das Gespräch im Verein gesucht werden. Und dann Schritt für Schritt vorgehen, sich nicht überfordern. Und die Vereinsmitglieder sollten von Anfang an auf die Reise mitgenommen werden. Wenn alles steht, ist ein kluger Kinderschutz ein absolutes Qualitätsmerkmal eines modernen Vereins.