6.3 FÜR EINE KULTUR DES HINSEHENS

„Ich bin selbst Vater. (…) Kids, sagt Nein – wenn euch was nicht passt oder ihr euch nicht wohlfühlt oder etwas seltsam ist!“ Es sind eindringliche Worte, die Fußball-Weltmeister Toni Kroos – ebenso wie sein Nationalmannschaftskollege Joshua Kimmich, Frauen-Nationaltorhüterin Almuth Schult und andere – in seinem Videostatement an die Fußball spielenden Kinder und Jugendlichen richtet.


Sexualisierte Gewalt gibt es auch im Wettkampf- und Leistungssport. Auch im Fußball. Gemeinsames Duschen oder Fahrten zu Trainingslagern etwa können für sexuelle Übergriffe missbraucht werden. Aber auch der Wunsch nach Anerkennung durch die Trainer*innen macht Mädchen und Jungen verletzlich für grenzüberschreitendes Verhalten. Für die mehr als 2,1 Millionen Fußball spielenden Kinder und Jugendlichen tragen Verbände und Vereine sowie die Trainer*innen und Eltern große Verantwortung.

Der DFB fördert einen vorausschauenden sowie offenen Umgang mit dem Thema Kinder- und Jugendschutz auf allen Verbands-ebenen und fordert eine Kultur des Hinsehens. Er unterstützt die Verantwortlichen dabei, Risiken einzuschätzen, sich präventiv aufzustellen und im Falle eines Verdachts schnell und sorgsam zu handeln. Mit dem Ziel, ein sicheres Umfeld für Nachwuchs-spieler*innen in Vereins- und Auswahlmannschaften zu schaffen.

Seit 2013 treibt DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge die Arbeit im DFB und den LV voran. 2017 wurde er offiziell zum DFB-Kinderschutzbeauftragten benannt. Damit konnte das Thema auch im Präsidium verankert werden. Hauptamtlich betreut die Abteilung Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange das Thema Kinder- und Jugendschutz beim DFB. Sie berät intern Kolleg*innen, klärt externe Anfragen und koordiniert etwa die Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) sowie der Deutschen Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

2010 verpflichtete sich der DFB gemeinsam mit seinen Landesverbänden durch den DFB-Vorstandsbeschluss und die Unterzeichnung der Münchner Erklärung dazu, Maßnahmen zur Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt einzuführen. Die kontinuierliche Umsetzung entsprechender Maßnahmen ist seit der Verabschiedung des „Konzeptes zur Prävention und Intervention Sexualisierter Gewalt im Fußball“ durch das DFB-Präsidium im Frühjahr 2015 sichergestellt. Das Konzept wurde gemeinsam mit den Regional- und Landesverbänden entwickelt. Die zehn Punkte werden seither verbindlich umgesetzt.

Der DFB veröffentlichte im Juni 2015 die Broschüre „Kinderschutz im Verein“ und überarbeitete seinen Internetauftritt zum Thema. Die Broschüre liegt mittlerweile in 3. Auflage vor und wurde rund 15.000 Mal von Verbänden und Vereinen abgerufen. Zudem stellt der DFB den Vereinen einen Handlungsleitfaden zum Verhalten bei Verdachtsfällen zur Verfügung und ermöglicht den Kontakt zu externen Expert*innen. Die 2015 gestartete Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) verlängerte der DFB im Mai 2018 bis 2021.

Seit 2015 lädt der DFB die Regional- und Landesverbände zur jährlichen Fachtagung Kinderschutz ein. Dort schult er die für das Thema zuständigen Mitarbeiter*innen der Regional- und Landesverbände in Präventions- und Interventionsthemen. Die Tagung dient zudem der Vernetzung und dem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch.

QUALIFIZIERUNG

Gemeinsam mit einem Experten des Deutschen Kinderschutzbundes schulte der DFB 2017 jene, die in ihren DFB-Mannschaften oder -Institutionen Ansprechpartner*innen für Kinder- und Jugendschutz sind:
• die Teammanager*innen der U-Nationalmannschaften
• die Stützpunktkoordinator*innen
• die Präventionsbeauftragte der Leistungszentren
• die Schiedsrichterobleute und -lehrwarte
• die Leiter*innen und Betreuer*innen der Fußball-Ferienfreizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun

Für alle weiteren Personen, die in diesen Mannschaften, Institutionen und bei DFB-Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, entwickelte der Verband ein Online-Tool zur Sensibilisierung.

Auch die UEFA hat sich das Thema „Child Safeguarding“ auf die Agenda geschrieben. Der DFB bringt sich dabei unterstützend ein. Gemeinsam mit anderen Nationalverbänden berät er die UEFA und ihren Kooperationspartner „terre des hommes“ bei der Entwicklung einer Policy zu „Child Safeguarding in European Football“. Die UEFA Study Group zum Thema fand im März 2019 mit Teilnehmenden aus 40 Ländern in der DFB-Zentrale in Frankfurt statt.

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Ab Mai 2019 hat der DFB dem Thema Kinder- und Jugendschutz im Fußball öffentlichkeitswirksam Aufmerksamkeit verschafft. Den Aufruf der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ an Betroffene im gesamten deutschen Sport hat der Verband zum Anlass genommen, unter anderem Videobotschaften von DFB-Nationalspieler*innen zur Unterstützung des Aufrufs zu veröffentlichen.

Zudem entwickelte der DFB im Rahmen der Amateurfußball-Kampagne „Unsere Amateure. Echte Profis.“ ein Kinderschutz-Motiv und stellte dies allen Regional- und Landesverbänden zur breiten Streuung an der Basis zur Verfügung. Mit diesem Motiv können sich Vereine und Verbände zum Thema positionieren und damit eine Kultur des Hinsehens fördern. In den Video-Botschaften und auf dem Plakatmotiv wird auf Zusatzinformationen der dsj „safesport.dosb.de“ hingewiesen, die Informationen und Unterlagen zum Thema Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sport bereithält.