6.2 FÜR DIE ACHTUNG DER MENSCHENRECHTE

Das Spiel und die Begegnung der deutschen und russischen U 18-Junioren in der „deutsch-russischen Fußballwoche“. 1.000 Bälle als Geschenk an die Kinder von Watutinki. Der Bau eines Kunstrasenplatzes in Moskau für Kinder kirgisischer Gastarbeiter. Treffen mit Bürgerrechtsorganisationen und russischen Fußballfans. Oder auch die Stärkung jungen Unternehmertums im Kaukasus.


Noch nie begleitete der DFB ein Turnier mit einem derart umfangreichen Sozialprogramm wie während der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Russland 2018. Bedeutender Fokus dabei: das Thema Menschenrechte. Kein neues Feld für den DFB, wenngleich das gesellschaftliche Engagement des Verbandes bislang nicht ausdrücklich unter dieser Überschrift erfolgte.

Um die menschenrechtliche Verantwortung und Sorgfaltspflicht des Fußballs über ein formales Bekenntnis zu international anerkannten Menschenrechten noch deutlicher zu unterstreichen, hat der DFB 2017 damit begonnen, eine Menschenrechts-Policy zu erarbeiten – als einer der ersten Fußball-Nationalverbände weltweit. Das Bekenntnis zur Achtung der Menschenrechte hat der Verband zum DFB-Bundestag im September 2019 in seiner Satzung verankert.

MENSCHENRECHTLICHE BELANGE SCHON IMMER EIN THEMA

Die Policy bildet die in den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen dargelegte Vorgehensweise für Unternehmen auf die spezifische Situation eines Sportverbandes ab. Der DFB trägt damit den gestiegenen Erwartungen an die Integrität und Achtung von Menschenrechten durch Sportorganisationen Rechnung.

Die Policy baut dabei auf dem bisherigen vielfältigen gesellschaftspolitischen Engagement und der Jugendarbeit des DFB auf. Denn: Schon seit jeher fördert, fordert und lebt der DFB gesellschaftliche Werte wie Respekt, Vielfalt, Integrität, Transparenz oder Solidarität im Fußball. 2010 verankerte er diese Werte in der Verbandssatzung und im Ethik-Kodex. National wie international setzt er sich – ohne dies stets mit Begrifflichkeiten aus dem Bereich des Menschenrechtsschutzes dokumentiert zu haben – mit verschiedenen Maßnahmen für menschenrechtliche Belange ein. Beispielsweise für
• die Teilhabe von Menschen,
• die Kraft der Integration,
• die Förderung von Fair Play,
• eine vielfältige Fankultur,
• Maßnahmen zur Gewaltprävention und Gleichberechtigung.

Dieses Engagement erstreckt sich auf den Breiten- wie auf den Spitzenfußball, von der Basis bis zur Nationalmannschaft. Auch das interne Compliance-Management-System des DFB bot bislang wichtige Ansatzpunkte für die Prävention bzw. einen effektiven Umgang mit negativen Folgen in Bezug auf die Achtung von Menschenrechten.

UEFA EURO 2024 ALS KONKRETER ANLASS

Den Anstoß zur Entwicklung der Menschenrechtsstrategie gab die Bewerbung des DFB um die Ausrichtung der UEFA EURO 2024. Zum ersten Mal stellte die UEFA spezifische Menschenrechtsanforderungen an die Kandidaten. Der DFB entschied sich dabei proaktiv für die Entwicklung eines – auch über die EURO 2024 hinaus – allgemeingültigen Menschenrechtskonzeptes.

Um dies zu erarbeiten, richtete der DFB noch 2017 die Projektgruppe „DFB-Menschenrechtskonzept“ ein – unter der Leitung des Vorsitzenden der Kommission „Gesellschaftliche Verantwortung“, Björn Fecker. Fester Bestandteil bei der Erarbeitung der Policy ist die Zusammenarbeit und der Dialog mit den Mitgliedern des DFB sowie internen und externen Stakeholdern und Expert*innen. Zum regelmäßigen Austausch und Update kam es u. a.
• beim DFB-Dialogforum „Auf dem Weg zu einer nachhaltigen EURO 2024“ am 23. Oktober 2017 in Frankfurt am Main (Thementisch Menschenrechte)
• in Arbeitsphasen zum „Leuchtturm Menschenrechte“ auf der DFB-Jahreskonferenz am 23. November 2017 in Barsinghausen
• beim Expertenaustausch am 5. September 2018 in Berlin (u. a. mit Football Supporters Europe, Deutsche Bischofskonferenz, Transparency International Deutschland, terre des hommes Deutschland, Reporter ohne Grenzen, Amnesty International Deutschland, Deutsches Institut für Menschenrechte, Deutscher Kinderschutzbund)
•  im Workshop zum Thema Menschenrechte auf der DFB-Jahreskonferenz am 29. November 2018

Der Beschluss der in diesem Prozess erarbeiteten Menschenrechts-Policy durch das DFB-Präsidium ist für Ende 2019 geplant. Der DFB nimmt das Bekenntnis zur Achtung der Menschenrechte auf dem DFB-Bundestag am 27. September 2019 offiziell in die Satzung des Verbandes auf. Die Policy bietet aufgrund der Strahlkraft des Fußballs ein großes Potenzial: Der Verband hat die Möglichkeit, über seine Regional- und Landesverbände die Fußballbasis und damit seine mehr als sieben Millionen Mitglieder zu erreichen.

Gerade auch mit Blick auf die UEFA EURO 2024 ist sich der DFB der Symbolkraft des Themas bewusst: Das Turnier wird das erste sein, das auf Grundlage der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte organisiert und veranstaltet wird. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Verband. Gleichzeitig bietet dies Gelegenheit, einen Standard für künftige Großveranstaltungen, nicht nur im Fußball, aufzustellen.

Deshalb hat sich der DFB zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Spielorten ein klares Zeichen zur Achtung der Menschenrechte zu setzen. Das Konzept war bereits zentraler Aspekt im Rahmen der Bewerbung und für das EURO 2024-Nachhaltigkeitskonzept. So führte der DFB eine vorläufige Analyse möglicher Menschenrechtsauswirkungen einer Ausrichtung der EURO in Deutschland durch. Zudem gab der Verband gemeinsam mit den zehn Austragungsorten in einer Zusatzerklärung das Versprechen, im Falle des Zuschlags an Deutschland im Sinne der UN-Leitprinzipien Schritte zur Ermittlung, Prävention und Wiedergutmachung menschenrechtlicher Auswirkungen des Turniers zu ergreifen.

Zur Stärkung des Themas Menschenrechte in den Bereichen Dialog, Umsetzung, Kommunikation und Monitoring sind verschiedene Maßnahmen geplant. So sollen etwa bestehende DFB-Diskussionsforen und -Preisverleihungen ebenso wie neue Veranstaltungsreihen rund um die EURO 2024 dazu genutzt werden, menschenrechtliche Herausforderungen bei Sportgroßveranstaltungen zu thematisieren. Nachhaltige Vergaberichtlinien für Dienstleister und Produzenten mit dem Fokus auf die Einhaltung menschenrechtlicher Mindeststandards sollen eingeführt und transparent kommuniziert werden. Ziel ist es auch, die Wirksamkeit ergriffener Menschenrechtsmaßnahmen zu überprüfen sowie aktive und ehemalige Nationalspieler*innen bei Kommunikationsmaßnahmen einzubinden.