6.1 „ICH SETZE MIR ZIELE, HABE TRÄUME“

Wenn Lydia Hatzenberg über „ihre“ Mädchen spricht, dann sprüht die zierliche Frau nur so vor Energie. Die 30-Jährige kämpft leidenschaftlich für die Zukunft der Frauen in ihrer Heimat Namibia – mit Fußball und Unterstützung durch den DFB. „Wir versuchen, mit Fußballkursen Wissen zu vermitteln. Die Mädchen, die mit uns Fußball spielen, sollen gestärkt werden“, sagt Hatzenberg.


Sie arbeitet für die Namibian Football Association (NFA) und will mit dem von UNICEF geförderten Programm „Galz & Goals“ den Mädchen- und Frauenfußball in dem südafrikanischen Land anschieben. Dabei reicht die Hilfe weit über den Sport hinaus. „Wir wollen, dass weniger Teenager schwanger werden, dass die Alkoholsucht zurückgeht und Beziehungen gewaltfrei gestaltet werden“, erklärt Hatzenberg und nennt konkrete Zahlen: „18 Prozent der Menschen in meinem Land leben sogar unterhalb der namibischen Armutsgrenze, zehn Prozent sind HIV-infiziert.“

„Galz & Goals“ nutzt die Anziehungskraft des Fußballs, um die Mädchen zu erreichen. 700 Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 20 Jahren spielen unter dem Dach des Projekts, das dem Ansatz „Sport für Entwicklung“ folgt. Weltweit werden Tausende junge Menschen auf ähnliche Weise gefördert. So ist Hatzenberg eine von vielen Trainer*innen, die über den Sport und den Fußball viel mehr als Fitness und Schusstechnik vermitteln: Es geht um Werte und Wissen, um Selbstvertrauen, Disziplin, Empathie und Teamwork. „Sport für Entwicklung“ hilft Jugendlichen dabei, Wissen rund um die Handlungsfelder Gesundheit, Gewaltprävention, Inklusion und Gleichberechtigung zu stärken. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und werden für Lebensentscheidungen gecoacht.

Wie die gemeinsame Leidenschaft für Fußball Menschen zusammenbringt, konnte Hatzenberg erneut erleben, als sie 2018 als eine von 30 Trainer*innen am von DFB und BMZ initiierten „International Instructors Course“ im SportCentrum Kamen-Kaiserau teilnahm. „Das ist unglaublich inspirierend, all die mutigen Leute aus aller Welt“, sagte Hatzenberg über den Kurs und fügte hinzu: „Da nehme ich viel mit nach Hause.“

In ihrer Heimat arbeitet sie oft 14 Stunden am Tag für ihre Aufgabe, manchmal länger. „Ich muss doch meine Mädchen kennen“, sagt sie. Abends sitzt sie lange am Telefon. Eltern rufen an, suchen bei ihr Rat und Unterstützung. Denn für viele Mädchen und junge Frauen ist der Fußballplatz einer der wenigen sicheren Orte, an dem sie unbeschwert aktiv sein können. Nach dem Ansatz „Fußball fürs Leben“ (Football4Life) werden für die Mädchen Bildungsanreize geschaffen und ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gestärkt. Zudem erfahren sie, wie sie ein gesundes Leben führen und sich vor allzu frühen Schwangerschaften und HIV-Infektionen schützen können.

Lydia Hatzenberg liegt ihre Arbeit am Herzen: „Sport für Entwicklung hat mein Leben stark beeinflusst. Ich bin selbstbewusst, setze mir Ziele, habe Träume. Ich will in meinem täglichen Leben besser werden.“ Auch die teilnehmenden Mädchen seien verantwortungsbewusster und natürliche Anführerinnen geworden, erzählt Hatzenberg. Und sie hat einen riesigen Anteil daran.