5.4 „DER FUSSBALL HAT MIR
FÜR MEINE ENTWICKLUNG UNGLAUBLICH VIEL GEGEBEN“

Martin Kaufmann (Blau-Weiß Lohne) und Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain): zwei Gesichter der Talentförderung des DFB. Dies sind ihre ganz unterschiedlichen Geschichten.


Martin Kaufmann hatte einen Traum. Wie so viele Kinder malte auch er sich aus, wie es wäre, später einmal als Fußball-Profi in der Bundesliga oder gar für die Nationalmannschaft zu spielen. Und so gibt es für den damals Vierjährigen nachmittags nur einen Weg: zum Fußballplatz. Kicken.

Die Trainer der G-Jugend entdecken sein Talent schnell: Beim Umgang mit dem Ball ist Martin stark, taktische Vorgaben setzt er klug um. „Als letzter Mann habe ich das Spiel von hinten aufgebaut“, erinnert sich der heute 19-Jährige.

„DINGE, VON DENEN ICH BIS HEUTE PROFITIERE“

Die Mannschaft, in der er damals spielt: ein Ausnahme-Jahrgang. Das Team trainiert schon in der F-Jugend drei Mal pro Woche. Martin Kaufmann findet als linker Verteidiger seinen Platz – und fällt bei Turnieren auf. Von einem renommierten internationalen E-Jugend-Turnier in Spanien etwa kehrt er mit seinem Team als Sieger heim.

Seine Leistungen rufen auch die Talentförderung des DFB auf den Plan. Beim Sichtungsturnier der U 9 landet er auf dem Zettel der Scouts und kickt – unter anderem mit dem heutigen A-Junioren-Bundesliga-Spieler von Werder Bremen Luc Ihorst – vier Jahre lang erfolgreich in der Auswahl des Landkreises. Auf seinem Weg wird er von den Stützpunkttrainern begleitet. „Sie haben uns gelehrt, selbstständig zu sein, Fairness und Respekt auf dem Platz zu leben, Vertrauen in sich und seine Leistung zu haben, mit Drucksituationen umzugehen“, erzählt Martin Kaufmann. „Dinge, von denen ich bis heute profitiere.“

Parallel schafft er den Sprung in das Talentteam von Werder Bremen, zu dessen Training er einmal in der Woche abgeholt wird. Sein Engagement zahlt sich aus: Werder beruft ihn in die U 13. Die Chance, vielleicht doch mal ein „Großer“ zu werden, wird greifbar.

AN DER SEITE VON FIETE ARP

Und so feilt Martin Kaufmann bei Werder und in der Bremer Auswahl akribisch an seiner Fußballkarriere. Vor allem auch dank der Unterstützung seiner Eltern. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt er. In dieser Zeit kickt er etwa gegen den Bayern-Profi Fiete Arp und erkämpft mit seiner Mannschaft bei einem internationalen Turnier ein Unentschieden gegen Atlético Madrid. Sein zwischenzeitlicher Trainer: Florian Kohfeldt, heute Cheftrainer bei Werder Bremen und zuletzt vom DFB als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. „Das war schon eine coole Zeit“, sagt Martin Kaufmann.

Im Team der U 15 jedoch spürt er: Mein Weg bei Werder Bremen geht zu Ende. Immer häufiger sitzt er auf der Bank. Der Verein argumentiert: körperliche Defizite. „Das war schon hart und enttäuschend, als ich dann raus war. Irgendwie war da ja klar, dass der Traum, Fußball-Profi zu werden, vorerst ausgeträumt ist“, erzählt Martin Kaufmann. Fortan spielt er für seinen Geburtsort Lohne in der Niedersachsen-Liga der B- und später A-Jugend. Dort ist er Stammspieler. Und auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat ihn wieder im Blick. Bei der Sichtung der U 16 in Barsinghausen kann er zunächst glänzen. Eine Verletzung jedoch verwehrt ihm schließlich den Sprung ins Team der Niedersachsenauswahl.

„AN JUNGE SPIELER WEITERGEBEN“

„Danach habe ich es dann sportlich gesehen etwas ruhiger angehen lassen, wieder mehr persönliche Kontakte geknüpft, mich auf die Schule konzentriert“, sagt Kaufmann. Doch der Fußball bleibt sein Lebensinhalt: Nach dem Einser-Abitur 2018 absolviert er einen Bundesfreiwilligendienst bei seinem Klub BW Lohne, holt u. a. die kleinen Jungs und Mädchen aus der Region zum Fußballtraining ab. Später mal will er Sportmedizin studieren. Die Trainer C-Lizenz hat er schon in der Tasche. Die B-Lizenz soll folgen. „Ich habe in der Talentförderung viel gelernt und profitiert. Das möchte ich gerne an andere junge Spieler weitergeben“, sagt er.

Für die neue Saison hat er sich derweil einen Platz in der Landesliga-Mannschaft der 1. Herren in Lohne erkämpft. Und wer weiß, vielleicht erhält er irgendwann eine neue Chance, doch noch höher zu spielen. Eines jedoch ist für Martin Kaufmann völlig klar: „Der Fußball hat mir für meine Entwicklung unglaublich viel gegeben und wird immer ein Bestandteil meines Lebens bleiben.“