4.12 MASSNAHMEN GEGEN DOPING UND SPIELMANIPULATION

Fußball soll fair, attraktiv, ehrlich und spannend sein. Das gelingt nur, wenn niemand vorher weiß, was während eines Spiels passiert. Und wenn Spieler*innen die eigene Leistungsfähigkeit nicht durch die Einnahme unerlaubter Mittel steigern. Nur so kann der Fußball auch weiterhin Woche für Woche Millionen Menschen in den Stadien, auf den Sportplätzen und an den Bildschirmen begeistern.


Dopingverstöße und sport- wie wettbewerbsbezogene Spielmanipulationen gefährden die Integrität des Fußballs. Sie zerstören einen fairen, sportlichen Wettkampf und untergraben die Glaubwürdigkeit des Sports, der Spieler*innen und der Unparteiischen. Beispielsweise hat sich das Sportgericht des DFB von 2016 bis 2019 mit drei Verstößen gegen die Antidoping-Richtlinien im Fußball beschäftigt. Die Unbeeinflussbarkeit des Spiels sowie die Unvorhersehbarkeit seines Verlaufs und Ausgangs sind daher der Kern des sportlichen Wettbewerbs.

GEMEINSAM GEGEN SPIELMANIPULATION

DFB und DFL schützen die Integrität des Wettbewerbs vor den Gefahren, die von Spielmanipulation und -sucht ausgehen. Bereits 2010 haben sie mit dem Start des Projekts „Gemeinsam gegen Spielmanipulation – Spiel kein falsches Spiel!“ ihre Präventionsmaßnahmen gebündelt und auf vier verschiedene Säulen gestellt:

1. Schulungs- und Informationsprogramm
2. Regeln und Vorschriften
3. Der Ombudsmann
4. Überwachung

Ziel des Projekts ist es, alle im Fußballbereich Aktiven frühzeitig und vorbeugend über die Gefahren zu informieren und aufzuklären sowie Verfehlungen konsequent strafrechtlich zu ahnden. Darüber hinaus hat der DFB auf nationaler wie internationaler Ebene ein starkes Netzwerk zur Bekämpfung von Spielmanipulationen geschaffen und arbeitet diesbezüglich u. a. mit der UEFA zusammen.

Während bei der Präventionsarbeit zunächst vor allem die Nachwuchsspieler*innen im Mittelpunkt standen (die Leistungszentren sind seit 2014/2015 verpflichtet, ab der Altersklasse U 16 jährliche Präventionsschulungen durchzuführen und dies gegenüber der DFL nachzuweisen), wurde die jährliche Schulungspflicht seit der Saison 2017/2018 auch auf Lizenzmannschaften der Bundesliga und 2. Bundesliga ausgeweitet. Dies ist – wie bei den Leistungszentren – Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb. In den Jahren 2017 und 2018 fanden so insgesamt 78 Präventionsschulungen statt.

Bei den Schulungen der Lizenzmannschaften arbeitet die DFL mit der Sportradar AG zusammen. Der DFB veranstaltet die Schulungen in Kooperation mit der Vereinigung für Vertragsfußballspieler (VDV). Die Schulungen sorgen dafür, Spieler*innen für das Thema zu sensibilisieren und ihnen aufzuzeigen, welche negativen Auswirkungen es auf eine potenzielle Karriere haben kann, wenn sie sich auf Wett-/Spielmanipulationen einlassen. Der DFB entwickelt derzeit ein neues Programm, das ab 2020 als Lizenzierungsauflage für die 3. Liga, Frauen-Bundesliga und 2. Frauen-Bundesliga gelten soll.

PRÄVENTION: APP UND E-LEARNING-TUTORIAL

Ergänzend hierzu entwickelte die DFL im Frühjahr 2019 ein neues, umfangreiches Programm zur Präventionsschulung – inklusive einer App und eines E-Learning-Tutorials. Über die DFL Integrity App können Meldungen über Unregelmäßigkeiten direkt an den Ombudsmann gesendet werden. Die App ist kostenlos verfügbar. Das E-Learning-Tutorial ist ausschließlich den Spieler*innen der Lizenzmannschaften der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie der Nachwuchsteams vorbehalten und über einen entsprechenden Log-in-Bereich zugänglich.

Ein weiterer wesentlicher Baustein ist die Sicherstellung einer flächendeckenden Überwachung des Wettmarkts. Die Verbände arbeiteten hier bislang mit der Sportradar AG zusammen. Sie erfasste die Sportwettangebote und -quoten von über 550 weltweit relevanten Wettanbietern und analysierte auffällige Wettmuster und Quotenveränderungen. Für die Bereiche des DFB werden alle Spiele der Nationalmannschaften, im DFB-Pokal, der 3. Liga, Regionalliga, Oberliga, Frauen-Bundesliga und der A-Junioren-Bundesliga überwacht. In der Saison 2018/2019 waren es mehr als 7.200 Spiele. Alle relevanten Informationen zum Thema Spielmanipulation liefern DFB und DFL seit dem Relaunch im Dezember 2018 auf der Website www.gemeinsam-gegen-spielmanipulation.de.

Ab der Saison 2019/2020 ist die Genius Sports Group der neue Partner des DFB für die Überwachung der Sportwettenmärkte.

DOPINGKONTROLLEN: ENTWICKLUNG IN QUANTITÄT UND QUALITÄT

Auch der Kampf gegen Doping ist für den DFB ein zentrales Anliegen, gibt es doch immer wieder auch mutmaßliche und begangene Dopingverstöße im Fußball. Mit der Übertragung sämtlicher Dopingkontrollen auf die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) war die Arbeit der Anti-Doping-Kommission auch im Berichtszeitraum von einem intensiven Austausch mit den NADA-Vertretern geprägt. Bei den jährlich stattfindenden gemeinsamen Sitzungen ging es um Fragen der praktischen Zusammenarbeit bei der Durchführung von Dopingkontrollen, ebenso wie um grundsätzliche Positionen von NADA und DFB in der Anti-Doping-Arbeit. Übereinstimmung bestand insbesondere darin, dass das im internationalen Vergleich qualitativ und quantitativ hohe Niveau der gemeinsamen Dopingkontrollmaßnahmen aufrechtzuerhalten ist.
 
ERHÖHTES KONTROLLVOLUMEN

Im Berichtszeitraum wurden im deutschen Fußball durch die NADA jährlich Dopingkontrollen mit einem Volumen von über 1.800 Proben durchgeführt. Damit liegen die Kontrollen in Deutschland weltweit in der Spitzengruppe. Im Jahr 2017 wurde aufgrund einer Vereinbarung von NADA, DFB und DFL die Kontrollanzahl um weitere 10 % erhöht. Diese Erhöhung dient insbesondere dazu, in der entscheidenden Phase am Ende einer Saison in den jeweiligen Ligen und Pokalwettbewerben sowie die Klubs in den spielfreien Zeiten (Sommer-/Winterpause) noch intensiver zu kontrollieren.

Nach der Zusammenführung der Wettkampf- und Trainingskontrollen bei der NADA ab der Spielzeit 2015/2016 wurde das Konzept der „intelligenten und zielgerichteten Kontrollen“ weiterverfolgt: Bei allen Trainingskontrollen werden die Spieler*innen sowie Zeitpunkt und Ort der Dopingkontrolle gezielt von der NADA ausgewählt. Dies gilt gleichermaßen für den Bereich der Wettkampfkontrollen. Dabei ist auch die Anzahl der durchgeführten Zielkontrollen weiter angestiegen. Aktuell liegt der Anteil bei etwa 70-80 % (20-30 % Auslosungen).
 
WEITERENTWICKLUNG BEI TEAMARBEIT UND PRÄVENTION

Die Zusammenarbeit von DFB, DFL, deren Vereinen und der NADA hat sich sowohl in der praktischen Umsetzung der Kontrollmaßnahmen als auch im Bereich Prävention bewährt und wird weiter ausgebaut. Insbesondere bei Staffel-, Manager- und Ärztetagungen ist die NADA als Ansprechpartner vor Ort eingebunden. Gleiches gilt für die Information und Sensibilisierung aller Beteiligten: Die NADA ist bei Schulungsmaßnahmen in den Nachwuchsleistungszentren oder bei Vereinen in den Junioren-Bundesligen vor Ort und bietet darüber hinaus einen speziell für den Fußball konzipierten E-Learning-Kurs an.