4.10 SCHNELL, EFFIZIENT, KONSENSORIENTIERT

Platzverweis durch Rote Karte – für den Spieler oder die Spielerin bedeutet das: Er oder sie ist nicht nur für den Rest des Spiels ausgeschlossen, sondern erhält auch noch eine vorläufige Sperre und ein sportgericht­liches Verfahren.


Sportgerichtsbarkeit bedeutet: die Streitentscheidung innerhalb des DFB gegenüber seinen Mitgliedern auf der Grundlage der verbandseigenen Regelwerke. In dieser Rolle unterstützt sie die Vermittlung und Wahrung von Werten wie Fair Play und Respekt sowie die Arbeit beim Thema Anti-Diskriminierung.

Rechtliche Grundlage der Sportgerichtsbarkeit ist das Grundgesetz selbst. Dort ist die Vereins- und Verbandsautonomie verankert. Davon umfasst sind
• das Selbstbestimmungsrecht der Verbände, über die eigene Organisation zu entscheiden, und
• das Recht zur autonomen Gestaltung der inneren Verfassung. Daraus ergibt sich auch das Recht zur eigenen Rechtsetzung und Rechtsprechung.

Die Verbandsgerichtsbarkeit steht in keiner Konkurrenz zur staatlichen Gerichtsbarkeit und schließt diese auch nicht aus. Die verbandsrechtliche Grundlage im DFB ist insbesondere die DFB-Satzung und die DFB-Rechts- und Verfahrensordnung. Organe der Sportgerichtsbarkeit des DFB sind:
• der DFB-Kontrollausschuss mit der Aufgabe, die Einhaltung der Satzung, der Ordnungen und anderer Rechtsvorschriften des DFB zu überwachen und bei Verstößen Anklage zu erheben,
• das DFB-Sportgericht als erste Instanz und
• das DFB-Bundesgericht als Rechtsmittelinstanz.

Die Rechtsorgane des DFB (Sport- und Bundesgericht) sind nach der DFB-Satzung absolut unabhängig.
Innerhalb der Sportgerichtsbarkeit können die Vereine oder Vereinsmitglieder (z. B. Trainer*innen, Betreuer*innen) belangt werden, wenn sie gegen die verbandseigenen Regelwerke verstoßen haben. Adressat ist daher der Verein als Mitglied des Verbandes, das sich kraft Satzung, Zulassungs- oder Lizenzvertrag der Sportgerichtsbarkeit des DFB unterworfen hat.

Primäres Ziel des sportgerichtlichen Handelns der DFB-Rechtsorgane bei Vorfällen aus dem Zuschauerbereich ist die Ermittlung der verantwortlichen Täter*innen durch den jeweiligen Heim- und Gastverein sowie deren Sanktionierung bzw. Inregressnahme durch die Vereine. In Zukunft erhofft sich der DFB weitere Impulse in der Förderung von alternativen Sanktionsmaßnahmen und täterorientierten Auflagen, insbesondere in Verfahren im Jugendbereich. Diese können zu einer Verhaltensänderung führen und sich somit positiv auf die Gesellschaft auswirken.

Die Entscheidungen in den Rechtsorganen des DFB werden durch ehrenamtliche Sportrichter*innen getroffen. Diese müssen in fachlicher Hinsicht in der Regel die Befähigung zum Richteramt haben; für die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden sowie die sog. DFB-Beisitzer*innen ist dies kraft Satzung Pflicht. Die DFB-Sportgerichtsbarkeit fällt in den Spielklassen des DFB pro Saison rund 500 Urteile und untersucht etwa 700 Vorgänge.

Die überwiegende Mehrheit der Vorfälle sind nicht etwa Rote Karten, sondern Vorfälle aus dem Zuschauerbereich: etwa durch Entzünden von Pyrotechnik, Gewalthandlungen oder Werfen von Gegenständen.