2.7 DER FUSSBALL STELLT SICH NACHHALTIG AUF

Das Fundament des DFB sind die mehr als 25.000 Vereine an der Basis des Fußballs. Die Vereine – unterstützt durch die Verbände – leisten gemeinsam mit ihren sieben Millionen Mitgliedern auf und jenseits des Fußballplatzes wichtige Beiträge für das Gemeinwohl. Wenn auch die Organisation des Spielbetriebs im Mittelpunkt steht, so „ist der Fußball mehr als das 1:0“ auf dem Spielfeld. Seit vielen Jahren fühlt sich der Verband diesem Leitspruch von Egidius Braun verpflichtet.


1951 wurde der DFB-Sozialausschuss gegründet, der sich erstmals strukturiert mit der sozialen Rolle des Fußballs befasste. 1955 folgte das DFB-Sozialwerk, das in Not geratene Fußballer oder jene, die durch den Fußball Schäden erlitten haben, unterstützte. Hier übernahm der DFB pragmatisch und ohne große Öffentlichkeitsarbeit soziale Verantwortung für seine Mitglieder.

Diese wichtige Arbeit wird heute von der DFB-Stiftung Sepp Herberger wahrgenommen, die sich darüber hinaus mit den Mitteln des Fußballs für weitere wichtige gesellschaftliche Themen wie die Resozialisierung von Strafgefangenen oder den Handicap-Fußball einsetzt. Die Gründung der Sepp-Herberger-Stiftung 1977 war ein ebenso wichtiger Teilabschnitt im sozialen Engagement des DFB wie die Mexico-Hilfe, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 begann und später in der Gründung der DFB-Stiftung Egidius Braun mündete. Das vielfältige Stiftungsengagement des DFB ergänzt bis heute die Arbeit der DFB-Zentrale mit wichtigen Impulsen zu gesamtgesellschaftlichen Themen von der Flüchtlingshilfe bis zur stärkeren Verzahnung von Fußball, Kunst und Feuilleton in der DFB Kultur-Stiftung.

In den Folgejahrzehnten wurden zentrale Trends in Fußball und Gesellschaft noch stärker in die Kernarbeit des Verbands mit aufgenommen. So wurde 1997 die besondere Relevanz der Förderung von Fair Play auf und jenseits des Platzes wie auch die Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements über die Einführung separater Aktionen wie „Fair ist mehr“ und „Aktion Ehrenamt“ betont. Die Verabschiedung eines Integrationskonzepts und die Ernennung von Integrationsbeauftragten im Jahr 2006 waren wichtige Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt im Fußball. Die kontinuierliche Fortsetzung und Weiterentwicklung dieser Maßnahmen ist ein weiterer Beleg, dass die gesellschaftspolitische Arbeit des DFB an Bedeutung immer mehr zunahm.

Nach konzeptionellen Vorarbeiten und Anpassung der Satzung auf dem Bundestag 2010 spricht der DFB seit 2013 auch erstmals öffentlich von Nachhaltigkeit in seiner täglichen Arbeit. Alle Themen rund um die gesellschaftspolitische Verantwortung werden seitdem von einer eigenen Abteilung, geleitet von Stefanie Schulte, mit einem ganzheitlichen Ansatz bearbeitet.

Begleitet wird die Arbeit von einer ehrenamtlichen Kommission unter der Leitung von Björn Fecker. Mit internen und externen Expert*innen werden jene für den Fußball relevanten Themen bearbeitet, die Gemeinschaft und Wertevermittlung im Fußball und in der Gesellschaft fördern. Im Präsidium zeichnet sich Eugen Gehlenborg für die Themen verantwortlich. Unter Berücksichtigung der Stetigkeit der kontinuierlichen Arbeit an Themen wie Fair Play, Vielfalt und Gewaltprävention, aber auch mit der Aufnahme neuer Themen wie Kinderschutz oder Menschenrechte prüft der DFB stets neu, was Verantwortung für den Fußball in der Gesellschaft bedeutet. Auf diesem Wege kann der DFB den Fußball nachhaltig entwickeln und über den Fußball den größten Mehrwert für die Gesellschaft entfalten.

War das Thema Nachhaltigkeit für den Fußball in Deutschland Anfang der 2010er-Jahre noch ein neues Thema, so sind Themen wie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung nicht nur in der Wirtschaft gesetzt, sondern haben in vielen Sportverbänden weltweit, vom IOC über die FIFA  und UEFA bis hin zu vielen Bundesliga-Vereinen, wie auch bei der Ausrichtung von Fußballturnieren an Bedeutung gewonnen. Die Ausrichtung an internationalen Standards, wie die zehn Prinzipien des UN Global Compact und die Nachhaltigkeitsagenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs), ist ebenso Eckpfeiler des Handelns wie die GRI Standards in der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Zwei Beispiele aus dem letzten Berichtszeitraum dienen als Beleg, welche Dynamik Nachhaltigkeit im organisierten Fußball in den letzten drei Jahren erfahren hat.

NACHHALTIGKEITSKONZEPT UEFA EURO 2024

Bei der erfolgreichen Bewerbung für die UEFA EURO 2024 war Nachhaltigkeit ein wichtiger Baustein des gesamten Vorbereitungsprozesses. So waren soziale und ökologische Anforderungen Teil des Bid Books, ebenso wurden erstmals für ein Großturnier Ideen und Konzepte für die Umsetzung internationaler Menschenrechtsanforderungen wie die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte abgefragt. Zudem wurde Integritäts- und Governance-Aspekten des gesamten Bewerbungsprozesses ein besonderes Augenmerk gewidmet.

VORBEREITUNG FÜR DIE FIFA WM 2018

Für die FIFA WM 2018 in Russland stand neben der sportlichen Vorbereitung der Mannschaft auch eine intensive Auseinandersetzung mit der gesamtgesellschaftlichen Situation in Russland im Mittelpunkt. So fanden intensive Treffen und Gespräche mit dem russischen Fußballverband vor und während des Turniers statt. Darüber hinaus wurden auch Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Gruppen in Russland wie auch in Deutschland aufgenommen, um mit ihnen persönlich sensible Themen wie die menschenrechtliche Situation und die Pressefreiheit in Russland im Vorfeld zu diskutieren, diese Gespräche wurden im Rahmen des Turniers fortgesetzt.

Nachhaltigkeit war im Vorfeld der WM-Vorbereitung fast wie selbstverständlich Teil des DFB-Vorbereitungsteams, sodass auch die Mannschaft wie auch das gesamte Team über die Situation in Russland informiert und vorbereitet wurden. Dies ist nur ein Beispiel, wie Nachhaltigkeit in den vier Direktionen des DFB gelebt wird. War bisher die Abteilung Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange der zentrale Antreiber, so kommen heute Nachfragen und Impulse für die nachhaltige Entwicklung des DFB aus diversen Bereichen: von der Akademie bis zum Marketing, von der Qualifizierung bis zum Sportgericht.

Aufgabe der zuständigen Abteilung und Kommission ist es daher in den kommenden Jahren, dieses starke Fundament im Kontext gesellschaftlicher Debatten und sich verändernder – meist zunehmender – Erwartungshaltungen an den Fußball schrittweise weiterzuentwickeln. Es ist Aufgabe des DFB, den gesellschaftlichen Anforderungen unter besonderer Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsdimensionen Soziales, Ökologie und Ökonomie im stetigen Dialog mit seinen vielfältigen Stakeholdergruppen gerecht zu werden.

Ziel des organisierten Fußballs wird es in Zukunft sein, noch klarer zu präzisieren, welche Beiträge er für eine lebenswerte, lebensfähige und faire Gesellschaft ebenso wie für einen zukunftsfähigen Fußball leisten kann und welche Schwerpunkte er setzen will.