2.5 TRANSPARENZ UND COMPLIANCE

Es ist das erklärte Ziel, Transparenz auf allen Ebenen im DFB herzustellen und den aktuellen Compliance-Anforderungen an eine zeitgemäße Organisation Rechnung zu tragen.


Compliance hat sich zu einer umfassenden Leitungsaufgabe für Organe juristischer Personen entwickelt. Für einen Vereinsvorstand bedeutet dies, dass er verpflichtet ist, durch angemessene Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Gesetze vom Verein, seinen Mitgliedern und Mitarbeiter*innen eingehalten werden (Compliance-Verantwortung). Dem Vorstand als Letztverantwortlichem obliegt damit eine Organisationspflicht und zugleich eine Kontrollfunktion. Sie umfasst die Prävention und die Aufklärung. Ein Verbands- bzw. Vereinsvorstand haftet im Innenverhältnis gegenüber dem Verein und auch im „Außenverhältnis“ im Hinblick auf das Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht.

NEUE DFB-VERFAHRENSRICHTLINIEN


Um diesen Compliance-Anforderungen im DFB Rechnung zu tragen, gelten seit 2012 für die hauptamtlich Beschäftigten des DFB Verhaltensrichtlinien, die in einem Verhaltenskodex zusammengestellt wurden. Er regelt unter anderem Aspekte wie grundsätzliche Verhaltensanforderungen, den Umgang mit Geschäftspartnern und Dritten, Datenschutz und Umwelt, die Vermeidung von Interessenkonflikten sowie Sicherheits- und Gesundheitsthemen. Ergänzend wurde auf dem DFB-Bundestag 2016 in Erfurt der Ethik-Kodex verabschiedet. Im Januar 2018 sind die aktualisierten Verhaltensrichtlinien für DFB-Angehörige in Kraft getreten.

EINFÜHRUNG EINES COMPLIANCE-MANAGEMENT-SYSTEMS

Im Anschluss an den DFB-Bundestag im Oktober 2016 hat das Präsidium die Einführung eines Compliance-Management-Systems (CMS) beschlossen und im Folgenden einen hauptamtlichen Compliance-Beauftragten bestimmt. Im Berichtszeitraum wurden wichtige Strukturen, Umsetzungsregeln und Maßnahmenpakete entwickelt, die die wesentlichen Bausteine des im Januar 2018 schließlich in Kraft gesetzten CMS bilden. Das CMS sieht folgende vier Compliance-Kernprozesse vor:
• die zyklischen Risikoinventurprozesse,
• die Berichterstattungs- und Überwachungsprozesse,
• die ständige Überprüfung der Angemessenheit der DFB-Regelwerke auch im Hinblick auf sich verändernde gesetzliche Anforderungen und
• die regelmäßige Aus- und Fortbildung im Bereich Compliance.

Die Aufgaben und Befugnisse der verschiedenen Kontrollinstrumente und -instanzen wurden ebenfalls weiterentwickelt. Dies gilt etwa für die Revisionsstelle, die interne Revision und die Steuerprüfung. Zudem wurde eine Ethik-Kommission berufen, die unter dem Vorsitz von zunächst Dr. Klaus Kinkel und dann Dr. h. c. Nikolaus Schneider zu einem Kontroll-, aber auch zu einem wichtigen Beratungsgremium in insbesondere ethischen Fragestellungen im Bereich des Fußballsports geworden ist.

ZENTRALE STRUKTURELLE MASSNAHMEN

Im Berichtszeitraum wurden weitere wichtige Schritte umgesetzt: So wurden die einschlägigen Regelungen finalisiert und dann in Kraft gesetzt, Schulungen für Mitarbeiter*innen entworfen, ein Hinweisgebersystem eingeführt und die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, die Kontrollfunktionen ausüben, namentlich die Revisionsstelle, die interne Revision, der Vertrauensmann Compliance im Ehrenamt, das Controlling und auch die Sportgerichtsbarkeit und die Ethik-Kommission, ausgestaltet.

INSBESONDERE VERMITTLUNG VON COMPLIANCE/HINWEIS­GEBERSYSTEM

Besondere Bedeutung kommt der Vermittlung der Compliance-Regelungen gegenüber den Adressaten zu. Mit der Einführung des CMS wurden daher eine Vielzahl von Maßnahmen im Berichtszeitraum durchgeführt. Neben der Einrichtung des Online-Schulungssystems für Mitarbeiter*innen des DFB e.V. und der DFB GmbH wurden erste Präsenzschulungen mit Mitarbeiter*innen des DFB e.V. und der DFB GmbH, einschließlich der jeweiligen Geschäftsführungen, durchgeführt. Auch die ehrenamtlichen Organmitglieder wurden sensibilisiert. Dies bezog die Präsidenten und Geschäfts-führer*innen der Landes- und Regionalverbände mit ein, verbunden mit der Empfehlung, die Erfordernisse anhand eigener Strukturen und Möglichkeiten zu überprüfen. Das eingeführte DFB-Hinweisgebersystem schafft die Möglichkeit, sich auf Wunsch auch anonym an einen externen Rechtsanwalt zu wenden und auf diese Weise auf mögliche Compliance-Verstöße hinzuweisen.

Das Thema Compliance wird von den Mitarbeiter*innen des DFB, aber auch vom Ehrenamt gut angenommen, was sich an der Vielzahl von Nachfragen und nachvollziehbar durch Compliance-Erwägungen gestützten Prozessen und Entscheidungen der Kolleg*innen zeigt. Fragenkomplexe betrafen vor allem Themen wie Einladungen, Zuwendungen, die Klärung von Nebentätigkeiten oder andere mögliche Interessenkonflikte. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt bilden Compliance-Aspekte bei Vertragsabschlüssen und die besondere Bedeutung ausreichender Marktsondierung ggf. durch Ausschreibungen.

COMPLIANCE-FÄLLE

Einen Schwerpunkt der aufklärenden Tätigkeit bildete ab 2017 die Befassung mit Sachverhalten aus der Vergangenheit, die vom seinerzeitigen Compliance-Beauftragten zwar selbst nicht zum Anlass einer näheren Untersuchung genommen, aber in einem Übergabevermerk aufgelistet worden waren. Die einzelnen Sachverhalte wurden sortiert und anschließend vom Compliance-Beauftragten umfassend unter Einbeziehung des Bereichs Finanzen geklärt. Sie waren überwiegend auch Gegenstand der Befassung durch die Ethik-Kommission. Zudem wurden sie aus Anlass einer Berichterstattung in der Zeitschrift „Spiegel“ zum Teil auch von der Staatsanwaltschaft Frankfurt aufgegriffen. Der DFB hat dabei mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet und ihnen die im Rahmen der Aufklärung der Sachverhalte gewonnenen Unterlagen und Erkenntnisse zur Verfügung gestellt.

Ein anderes Verfahren betraf im Sommer 2018 mögliche Fehlverhalten eines Mitarbeiters beim Umgang mit Partnern des DFB durch die Vermischung privater und dienstlicher Interessen. Die Untersuchung dieses Falls wurde extern durch einen Rechtsanwalt vorgenommen. Im Ergebnis lagen lediglich Meldepflichtverletzungen vor. Im Frühjahr 2019 war ein Uhrengeschenk an den seinerzeitigen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel zu untersuchen. Im Mai 2019 wurde wegen nicht gemeldeter Zuwendungen eines Vermarktungspartners an mindestens zwei DFB-Mitarbeiter ermittelt. Ein Fall führte zu personalrechtlichen Konsequenzen. In allen genannten Fällen wurde jeweils die Ethik-Kommission zeitnah über die Sachverhalte und das Ergebnis unterrichtet.

AUSBLICK

Mit der Einführung des CMS und dem geregelten Zusammenspiel verschiedener Kontrollmechanismen sowie der Vermeidung erheblicher Compliance-Verstöße und der Aufklärung Compliance-relevanter Vorfälle in den letzten Jahren hat sich der DFB bei der Wahrnehmung von Compliance-Aufgaben kontinuierlich weiterentwickelt. Weitere Maßnahmen in Bezug auf strukturelle Anpassungen, Zusammenführung inhaltlicher Bestimmungen und Präzisierung von Regelwerken sind in Vorbereitung. Die ständige Überprüfung der praktischen Abläufe helfen, die Compliance-Architektur des DFB zu stärken.