6.9 FUSSBALL TRIFFT KULTUR

Der Anstoß für die DFB-Kulturstiftung war 15 Meter hoch, bot Platz für Lesungen, Vorträge oder Diskussionsrunden und wurde im Dunkeln beleuchtet: Als der Fußball-Globus vor der WM 2006 durch Deutschland tourte, stand er als Leuchtturmprojekt für das offizielle Kunst- und Kulturprogramm. Mit der Gründung der DFB-Kulturstiftung als gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts im Juni 2007 entschied sich der DFB, die Förderung von Kunst und Kultur nachhaltig weiter zu betreiben – und schuf damit eine besondere Stiftung, die über den Fußball hinausweist.


2017 feierte die DFB-Kulturstiftung mit einem Symposium im Hamburger Millerntor-Stadion ihr zehnjähriges Jubiläum. Fans, Sozial- und Jugendarbeiter*innen, Historiker*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen tauschten Praxiserfahrungen aus Fan- und Bildungsarbeit aus, sprachen über Fußball als Medium von Erinnerungskultur, Flüchtlingsarbeit und Nachhilfeunterricht. In der „Millerntor Gallery“ im Bauch des Stadions schauten sie sich gemeinsam mit Tausenden Kiez-Bewohner*innen, Kunst-interessierten und Pauli-Fans Kunstwerke mit und ohne Fußball-Bezug an.

Dieses konstruktive Miteinander zeigt die Vitalität, Kreativität und Vielfalt der Fußballkultur und verdeutlicht den gesellschaftspolitischen Wert der DFB-Kulturstiftung. Sie nutzt den Fußball als niedrigschwelliges und attraktives Medium für kulturelle, künstlerische und wissenschaftliche Projekte sowie Bildungsinitiativen – für Wertevermittlung, Integration, Völkerverständigung sowie historisches und kulturelles Lernen. Die DFB-Kulturstiftung steht für eine vielfältige und offene Gesellschaft und gegen Diskriminierung in jeder Form.

Ausschließlich mit Eigenmitteln ausgestattet, ist die Stiftung verlässlicher Partner und „Ermöglicher“ vieler Projekte:
• Das Grundstockvermögen liegt bei 250.000 Euro.
• Der Jahreshaushalt der Stiftung beträgt rund 350.000 Euro.
• Seit ihrer Gründung 2007 hat die DFB-Kulturstiftung 4,2 Millionen Euro (Stand: 30. Juni 2019) eingesetzt.
• Zwischen 2016 und 2019 hat die DFB-Kulturstiftung mit rund 1 Millionen Euro mehr als 90 lokale und überregionale Projekte gefördert.
• Partner und Mitförderer der Stiftungsinitiativen sind unter anderem das Goethe-Institut und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Dr. Göttrik Wewer, der Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Monika Grütters sowie des Geschäftsführers Olliver Tietz nimmt sich die DFB-Kulturstiftung gesellschaftspolitischen Themen an, die sich im und über den Fußball sowie die Kultur vermitteln lassen. Die gemeinnützigen Mittel werden konkret für Eigen-, Kooperations- und Förderprojekte eingesetzt und jährlich nachgewiesen. Integration, Völkerverständigung und Anti-Diskriminierung sind in den Stiftungszwecken ausdrücklich verankert und werden durch konkrete Projekte verwirklicht. Kultur wird nicht nur im Sinne von „Kunst“ verstanden, sondern als Aufforderung zur Beschäftigung mit der Frage, wie wir auf und außerhalb des Fußballplatzes miteinander umgehen wollen. Die Veranstaltungen sind partizipativ ausgerichtet und damit frei und öffentlich zugänglich für alle Interessierten.

Zum jährlichen Stiftungsprogramm zählt zum Beispiel die langfristige und nachhaltige Förderung des internationalen Fußballfilmfestivals „11mm“, 2019 bereits im zehnten Jahr. Mit rund 60 Filmen an fünf Tagen zieht das Festival in Berlin mehrere Tausend Zuschauer* innen aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Ebenfalls seit gut zehn Jahren kickt und schreibt die Autoren-Nationalmannschaft im Auftrag der Stiftung mit und gegen Schriftsteller-Teams aus aller Welt. Beliebt waren die Fußballkultur-Reiseführer zur EURO 2016 und WM 2018: Wie schon sein Vorgänger zum Turnier in Frankreich war der Reiseführer „Doppelpass mit Russland“ 2018 in einer Auflage von 10.000 Stück schnell vergriffen. Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) konzipiert, bot das Taschenbuch eine hintergründige Reiselektüre zur Fußballkultur des Gastgeberlands und sprach damit Fußballfreunde mit Interesse über die Spielfeldgrenzen hinaus an.

Ebenfalls von der DFB-Kulturstiftung angestoßen, zeigten zwei Outdoor-Ausstellungen unter dem Titel „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ die sportlichen Triumphe jüdischer Sport- und Fußballstars auf großen innerstädtischen Plätzen in Metropolen von Berlin bis Tel Aviv. Auf der Biografie des 1943 in Auschwitz ermordeten deutsch-jüdischen Nationalspielers Julius Hirsch basiert das Theaterstück „Juller“, das Regisseur Jürgen Zielinski mit dem Theater der Jungen Welt aus Leipzig auf die Bühne gebracht hat. Nach der Premiere im April 2017 tourte das von der Stiftung geförderte Stück durch zahlreiche Bundesliga-Städte.