FANKULTUR UNTERSTÜTZEN UND STÄRKEN

„Ich bin selbst Fußballfan und deswegen Fan der Fans. Fußball ohne Fans heißt Fußball ohne Stimmung. Und Fußball ohne Stimmung ist langweilig.“ So betonte einst Lukas Podolski, 130-facher deutscher Nationalspieler, die Bedeutung von Fans.


Diese Überzeugung teilt der DFB. Der Verband fördert Fankultur und entwickelt damit den Fußball nachhaltig weiter. Dafür unterstützt er die guten Rahmenbedingungen für Fans und bietet jungen Menschen Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung. Die Fanarbeit des DFB beruht auf drei Säulen:

1. Austausch mit Fans (formell in Gremien, informell bei Spielen)
2. Fanbetreuung bei Länderspielen und Unterstützung der Fanbeauftragten der 3. Liga
3. finanzielle Förderung sozialpädagogischer Fanprojekte

Bereits mit der Initiierung der Fananlaufstelle im Jahr 2006 hat der DFB die Voraussetzungen für einen regelmäßigen Dialog mit unabhängigen Fan-Vertreter*innen geschaffen. Erster Meilenstein war der bundesweite Fankongress 2007, in dessen Folge eine eigene Arbeitsgruppe „Fankulturen“ ins Leben gerufen wurde. Alleine zwölfmal trafen sich die Mitglieder der AG zwischen 2016 und 2019 und lieferten dabei wichtige Impulse für Fans und Fanarbeit. 

Der Dialog war und ist dabei nicht immer frei von Konflikten. Fußballfans und insbesondere diejenigen, die regelmäßig ihre Mannschaften bzw. Vereine im Stadion verfolgen, haben ein Interesse an frühzeitigen Spieltagsansetzungen und fanfreundlichen Anstoßzeiten. Sie fordern gute Aufenthaltsbedingungen im Stadion. Und immer wieder äußern sie den Eindruck, vor allem als Sicherheitsrisiko wahrgenommen zu werden.

So wird um Positionen gerungen, es werden Kritikpunkte wie die Einführung von Montagsspielen oder eine fehlende Transparenz angesprochen. 2017 bildete sich ein bundesweites Bündnis von Fanszenen, das seine Kritikpunkte an Entwicklungen im Fußball regelmäßig in die Stadien thematisiert. Ein Dialog mit DFB und DFL wurde durch die „Fanszenen Deutschlands“ 2018 abgebrochen. Und doch gelingt es auch, in gemeinsamer Arbeit von Fans, Verbänden und Vereinen Verbesserungen auf den Weg zu bringen: Sei es die Freigabe von Fanutensilien 2018 bei Spielen der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga oder die Umsetzung von Empfehlungen zur Verbesserung der Transparenz der Sportgerichtsbarkeit.


IM DIALOG MIT FANS

Fans sind essenzieller Teil des Fußballs. In Deutschland ist dieser geprägt von einer vielfältigen Fankultur: Im Stadion begegnen sich Jung und Alt, einzelne Fans und Gruppen, Sitz- und Stehplatzliebhaber*innen und unterstützen ihre Teams mit Choreografien, Bannern und Gesängen. Vor allem die Fankurven sind dabei Orte der Kreativität, des sozialen und politischen Engagements, der Teilhabe und auch der Sozialisation junger Menschen.

Ein regelmäßiger Austausch zwischen Fans, Verbänden und Vereinen bildet dabei die Basis vertrauensvoller Zusammenarbeit und die Grundlage für die Vermittlung von Positionen.

Die AG Fankulturen bietet einen solchen Austausch. Vertreten sind dort neben DFL und DFB auch die Bundessprecher*innen der Fanbeauftragten, die Interessengemeinschaft Unsere Kurve, der Fan Club Nationalmannschaft, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG), F_in Netzwerk Frauen im Fußball, die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), Queer Football Fanclubs (QFF) und die BundesBehindertenfanArbeitsGemeinschaft (BBAG). Im Wissen um unterschiedliche Perspektiven wird ein kontinuierlicher Dialog gepflegt, um bei Konflikten zu vermitteln, neue Impulse zu geben, Vertrauen zu bilden und Wertschätzung zu zeigen.

In 2018 hat der DFB – in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und den Expert*innen in der AG Fankulturen – auf Impulse aus den Fanszenen hin wegweisende Veränderungen angestoßen:
• Aussetzung von Kollektivstrafen, verbunden mit der Hinwendung zur Täterorientierung
• klares Bekenntnis zum Erhalt der Stehplätze
• Erhöhung der Transparenz in der Sportgerichtsbarkeit durch die Veröffentlichung des Leitfadens für den Kontrollausschuss
• Freigabe von Fanutensilien bei Spielen der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga
• Projekt Spieltagsnachbereitung zur Verbesserung des Verhältnisses Fans/Polizei

Um Fans die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen mit einzubringen, hat der DFB in der Saison 2018/2019 weitere Austausch-Formate entwickelt. Vor Ort stellen sich beispielsweise DFB-Mitarbeiter*innen den Fragen der Klubanhänger*innen der 3. Liga. Mit den Fans der Nationalmannschaft ist der Verband im regelmäßigen und strukturierten Austausch (siehe auch Videobeitrag: Zwiegespräch Bierhoff – Fan im Mai 2019).

FREIGABE VON FANUTENSILIEN

Ein Beispiel für den konstruktiven Austausch mit Fans und Fanorganisationen ist die Freigabe von Fanutensilien bei Spielen der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga. Diese hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes in seiner Sitzung am 9. März 2018 in Frankfurt am Main beschlossen. Vorausgegangen war eine Empfehlung der AG Fankulturen.

Die AG Fankulturen, auf deren Initiative dieses Vorgehen zustande kam, begleitete die Umsetzung durch Vereine und Verbände sowie die Effekte auf das Fanverhalten kritisch. An einigen Standorten gab es objektiv eine Verbesserung der Unterstützungsmöglichkeiten für Heim- und Gästefans. Das ergab eine Erhebung des DFB im Herbst 2018 bei Fan- und Sicherheitsbeauftragten. Dort, wo lokale Regelungen oder Verordnungen noch gegen die Freigabe sprechen, möchten DFB und DFL die Klubs bei der Findung von Lösungsmöglichkeiten unterstützen.

Fanbetreuung: nah und konstruktiv

46.290 Fans besuchten 2018 im Schnitt die Partien der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Männer im eigenen Land, Tausende reisen den DFB-Teams Spiel für Spiel hinterher. Sie unterstützen die Mannschaften mit beeindruckenden, gemeinsam entworfenen Choreografien.

Um allen Zuschauer*innen ein positives Stadionerlebnis zu ermöglichen, arbeitet das DFB-Team an guten Rahmenbedingungen. Der DFB stellt zum Beispiel Faninformationen im Vorfeld bereit, besetzt ein Fan Service Telefon am Spieltag und sorgt gemeinsam mit Behindertenfanbeauftragten der Klubs sowie dem Handicap Fanclub Nationalmannschaft für Barrierefreiheit im Stadion. Seit 2003 bietet der DFB mit dem „Fan Club Nationalmannschaft“ eine Plattform für Fans der Nationalmannschaft, der inzwischen mehr als 50.000 Mitglieder angehören. Zudem ist bei jedem Spiel der Nationalmannschaft ein*e DFB-Mitarbeiter*in im Block, um Ansprechpartner*in für Fans zu sein, frühzeitig brisante Situationen zu erkennen und zu vermitteln.

Abseits des Stadions hat die Arbeit für Fans eine ebenso große Bedeutung. Deshalb gehört die enge Zusammenarbeit mit anderen DFB-Stellen – von der Sicherheit und dem Ticketing bis hin zur Kommunikation – genauso zur Fanarbeit des DFB wie der regelmäßige Austausch mit den Fans.

FÖRDERUNG VON FANPROJEKTEN

Fußball bewegt Menschen nicht nur 90 Minuten, sondern manche mitunter auch 24 Stunden und 7 Tage die Woche. Wer wüsste dies besser als die Mitarbeiter*innen der insgesamt 62 Fanprojekte in Deutschland, die insgesamt 68 Fanszenen betreuen. Seit 2016 sind die Fanprojekte in Stuttgart (VfB und Kickers) und Wiesbaden neu hinzugekommen, die Projekte in Wuppertal und Halle wurden nach einem Trägerwechsel neu gegründet. Mit mehr als sieben Millionen Euro jährlich fördern DFB und DFL die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte. Die andere Hälfte steuern die jeweiligen Kommunen und Länder zur Finanzierung bei.

Die Ziele der Fanprojekte:
• insbesondere junge Fans bei der Entwicklung einer positiven Fankultur stärken
• einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention und Demokratiestärkung leisten
• Hilfestellung für Fans in Problemlagen geben
• Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien im Fußball (u. a. Fans, Klubs, Polizei und Ordnungsdienste) herstellen und moderieren

Die Qualität der Arbeit von Fanprojekten zu sichern, ist Aufgabe der AG Qualitätssicherung. Die AG, angedockt an den Beirat der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), berät vier- bis fünfmal im Jahr über die Vergabe der Qualitätssiegel an Fanprojekte. Seit 2010 werden die inzwischen 62 von DFB und DFL geförderten Fanprojekte extern evaluiert. Nach Prüfung der Erfüllung der erforderlichen Voraussetzungen wird durch die AG das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem NKSS (Nationales Konzept Sport und Sicherheit)“ für drei Jahre verliehen. Der nächste Prüf- und Vergabezyklus startet im Jahr 2020.

Auch an der Finanzierung der KOS sind DFB und DFL beteiligt: Gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium unterstützen sie diese mit 550.000 Euro, um die sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte inhaltlich zu begleiten und zu koordinieren.